geschichtliches

Wir bedanken uns für die Bereitstellung der Geschichte eines Rennsteigdorfes und der Ortschronik bei Frau Osfriede Nordhaus und Christa Voigt. Es handelt sich hierbei um Auszüge  aus dem Band I (Robert Nordhaus - Die Geschichte eines Rennsteigdorfes) - eine buntillustrierte Chronik über das Dorf Neustadt am Rennsteig.

Die dargestellten Passagen sind, wenn möglich, vollständig zitiert. Eine Wiedergabe, Nutzung, Verwendung der Daten ist nur mit Zustimmung von Frau Nordhaus möglich.

Geschichte eines Rennsteigdorfes   

von Robert Nordhaus
(Auszüge)

Der Thüringer Wald ist von erhabener Schönheit. Viel besungen wurden seine Berge und Wälder, seine herrlichen Täler und seine grünen Auen. Klar und rein sind die Wasser der Bäche und Flüsse die hier entspringen. Sauber und gepflegt sind die zahlreichen Dörfer und Städte und von großem Fleiß und Tüchtigkeit deren Bewohner. Die Menschen vom Thüringer Wald oder die “Thüringer Wäldler”, wie man sie oft nennt.

Nur wenige Ortschaften liegen am Rennsteig und die wenigsten davon durchzieht er direkt, wie eben unser Neustadt. Es wäre aber falsch, wollte man nur von Bergen, Wäldern, Steinen, Ländern und Ortschaften reden, wenn man über den Rennsteig spricht, ohne dabei an die Menschen denken, die hier wohnen. Es gehörte schon viel Mut dazu, in solcher Höhenlage und unter den schwersten Witterungsverhältnissen hier sich ständig nieder zu lassen.

Die Menschen vom Rennsteig haben das getan. Es sind harte, zähe und willensstarke Menschen die hier oben wohnen.

Sahen in Kriegs- und Teuerungszeiten und in Zeiten, wo nicht einmal die wenig ausgelegten Kartoffeln und die Kornsaat zur Ernte ausreifte, aus den elenden Häusern und Hütten noch viel elenderes Menschen heraus; war Neustadt fast immer dazu verurteilt keinerlei Existenzmöglichkeit für seine Bewohner mehr zu haben: Immer und immerzu ist der Ort größer geworden und seine Einwohnerzahl gestiegen.

Doch auch einige Neustädter, vor allem junge Leute, sind trotzdem in die Ferne gezogen, um ein neues Leben zu beginnen.

Neustadt gehört heute zum Ilm-Kreis und ist der höchstgelegene Ort des Kreises.

1489 - Erwähnung der alten Bergstadt Neuenstadt bey der Schleuse. Da von altersher bis heute eine Sage erzählt wird über eine im Morast versunkene Stadt in der Nähe des Dreiherrnsteins

1587 - der Grenzstein am Dreiherrenstein wird in der Hennebergischen Wälderbeschreibung als “Dreier Herren Stein bezeichnet

1698 - Genehmigung für den Bau der ersten Neustädter Glashütte; “... in unserem Amt Eisfeld ausersehenen Platz, am Berg Neustadt, zwischen den sogenannten Erlenfleck und Breitenbronn im Unterbrunner Forst ...” - es handelt sich hier um das Gebiet rings um den Gasthof Tannengrund (Thüringer Traditionsglas) in der Kirchgasse

um 1700 Beginn der Zunderschwammherstellung

1703 - Rennsteigbeschreibung von Christian Juncker über Neustadt

1723 - Bau der zweiten Neustädter Glashütte

1727 - Christoph Kahlert, Wirt zu Crock, erhielt die Gastungs- und Braugerechtigkeit für ein zu erbauendes Wohnhaus zwischen Gießübel und Neustadt - damit entsteht der Ortsteil Kahlert

1739 - am 13. September wird die Kirche auf der Meininger Seite eingeweiht

um 1840 - Beginn der Phosphorzündholzherstellung

1856 - Grundsteinlegung anstelle der alten Kirche am 8. Juni

1859 - am 21. Oktober Weihe der Michaeliskirche

1860 - ein Herr Friedrich Speitel gründet die Zündwaren- und Schwammfabrik zu Neustadt

1865 - Grundsteinlegung des Kirchenbaus auf der Schwarzburger Seite

1884 - die schwarzburgische und meiningische Regierung verbot die Phosphorzündholzproduktion. Dies hatte unmittelbare Auswirkung auf ca. 210 Neustädter Familien.

1884 - Gründung der Neustädter Feuerwehr

1887 - Weihe der Kirche auf der Schwarzburger Seite

1894 - am 06. April wird Willi Schmidt-Gentner geboren. Er war einer der erfolgreichsten deutschen Filmkomponisten. Er verstarb am 12.02.1964 in Wien

1898 - das Gasthaus “Zum alten Frosch” brennt vollständig nieder

1923 - aus den beiden Neustadts (Herzogtum Sachsen-Meiningen und Herzogtum Schwarzburg-Sondershausen) entsteht das heutige Neustadt

1928 - das Denkmal (Kriegerdenkmal) im alten Park wird errichtet zum Gedenken an die Kriegsopfer des 1. Weltkrieges

1930 - Neustadt wird Ferienort

1931 - der erste Park in der Ortsmitte wird eingeweiht, er liegt an zwei Hauptstraßen in der Mitte des Ortes am Kriegerdenkmal

1937 - Bau des Glaswerkes am Bahnhof Neustadt/Gillersdorf

1974 - Neustadt wird erstmals “staatlich anerkannter Erholungsort”

1984 - Fertigstellung des Saales für den FDGB-Feriendienst. Dieser wird 2005 in ein Gemeindezentrum umgebaut.

1987 - Einweihung der Heimatstube in der alten Schule in der Kirchgasse.

1989 - Neustadt feiert vom 08. - 16. Juli seinen 500 Jahrestag. Der Höhepunkt der Festwoche ist der unter Leitung des Bürgermeisters Hans-Jürgen Bauer stattfindende Festumzug mit 486 Teilnehmern. Ca. 13000 Zuschauer haben sich entlang den Straßen eingefunden um das Spektakel mitzuerleben.

1990 - vom 23. - 25. März fand auf Einladung des Bürgermeister Hans-Jürgen Bauer das erste Neustadt-Treffen auf  dem Gebiet der ehemaligen DDR statt. 19 Neustädte nahmen an diesem Arbeitstreffen teil.

1990 - am 26. Oktober wird die Partnerschaft mit der Gemeinde Ehringshausen in Hessen besiegelt.

1995 - die ehemalige Zündholzfabrik in der Straße “Am Friedhof” wird abgerissen und es entsteht ein Wohnhausplatz

1996 - am 17. August wurde das 400jährige Jubiläum des “Großen Dreiherrenstein” begangen.

1999 - Einweihung des Kreisel in der Ortsmitte mit einer Stele in Form eines Rennsteigsteines

2000 - Neustadt wird "Staatlich anerkannter Erholungsort"

2000 - 28.04. Einweihung des Rennsteigmuseums im Cafe Lusky. Nach Fertigstellung des Gemeindezentrums 2007 zieht das Museum dorthin um.

2000 - Fertigstellung des Feuerwehrhauses. Das alte Feuerwehrhaus in der Schulstraße wird verkauft und in ein Wohnhaus umfunktioniert.

2004 - findet das 26. Neustadt-Treffen der AG “Neustadt in Europa” in Neustadt am Rennsteig statt

2005 - nach dem Abriss des ehemaligen Gasthauses “Zum kalten Frosch”, wird aus dem ehemaligen FDGB-Saal ein  Gemeindezentrum. Dieses wird 2007 fertiggestellt und eingeweiht.

2009 - im September Festwoche zur 150jährigen Grundsteinlegung der Michaeliskirche.

2010 - auf dem Gelände der abgerissenen Thermoplast wird eine parkähnliche Anlage (Mehrgenerationenpark) errichtet

2012 - mit dem Weggang des Pfarrer Kaiser, hat Neustadt keinen Pfarrer mehr

2014 - die Turnhalle wurde in ein Jugendzentrum umgebaut.

2016 - Im November wird die Kirche auf der Schwarzburger Seite Neustadts abgerissen. Die Kosten für den Abriss belaufen sich den Angaben nach voraussichtlich auf rund 45 000 Euro. Die Kirche des Adelsgeschlechts Schwarzburg wird nicht mehr benötigt, weil es in dem Ort eine zweite gibt. Dass Kirchen abgerissen werden, kommt in Thüringen sehr selten vor.